Gustavs Stern

Hier kannst Du den Anfang von „Gustavs Stern“ lesen. Die ganze Geschichte und die drei Geschichten „Der eiserne Gustav“, „Gustav und der Dschin“ und „Gustav und der Ponyhof“ findest Du in dem Buch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“.

Heute ist ein besonderer Tag, denn heute darf Gustav gleich zwei mal in die Schule. Wie verabredet, treffen sich am Abend die Kinder mit Frau Meier-Greulich, ihrer Lehrerin, im Schulhof. Um diese Tageszeit sieht hier alles ganz anders aus. Einsam und dunkel liegt die Schule da. Das Eichhörnchen, das in der großen Kastanie beim Schultor wohnt, schläft schon. Auch die Maulwürfe unter der Schulwiese haben sich verdrückt. Nur in der Hausmeisterwohnung brennt noch Licht. Ganz leise kann man von dort Herrn Göppinger und seine Pausen-Posaune hören. Er spielt, wie immer, sein Lieblingsstück „Ich bin ein armer, einsamer Hausmeister, weit weg von Zuhause“. „Sind jetzt alle da?“, fragt Frau Meier-Greulich. „Sehr gut! Folgt mir!“ Auf der Rückseite des Schulgebäudes befindet sich ein schmaler Turm. Über eine Wendeltreppe im Inneren gelangt man nach oben zu einer Kuppel, in der sich ein gewaltiges Fernrohr befindet. Ja, ganz richtig: Bei der Kuppel handelt es sich um die Sternwarte der Schule! „Nicht drängeln!“, ermahnt Frau Meier-Greulich die Kinder, die sich um das Fernrohr scharen. „Jeder und jede darf mal ein Weilchen durchs Okular sehen!“ Frau Meier-Greulich geht rüber zum Steuerpult. Mit ein paar Schaltern und Hebeln löst sie die automatische Mechanik der Kuppel aus: Ein Motor beginnt zu summen. Langsam öffnet sich über den Kindern ein Spalt, durch den man den Himmel sieht. „Oh…!“, seufzt Pia. „So viele Sterne!“ Dann fährt, ebenfalls automatisch, das große Fernrohr langsam in Position. Bald ragt es wie eine Kanone in den Nachthimmel. Frau Meier-Greulich hat es genau auf den größten Planeten unseres Sonnensystems gerichtet, den Jupiter! Attila darf als Erster einen Blick durchs Okular werfen. Okular heißt das Ding, wo man rein schaut, das weiß Attila schon. Wie das Ding auf der anderen Seite heißt, hat er vergessen. Allerdings ist er von dem, was er durchs Okular sieht, nicht sonderlich beeindruckt: „Ist das schon alles?“, mault er. „Ich dachte, dieser Jupi… Jippi… dieser Dingens sei so ein Riesenplanet!“ „Der Jupiter ist sehr weit weg“, erklärt ihm Frau Meier-Greulich. „Er ist viel, viel größer als die Erde! Aber er ist eben so unglaublich weit von uns entfernt, dass man ihn im Fernrohr höchstens so groß wie eine Apfelsine sieht. Und das ist schon ziemlich gut!“ Jetzt ist Gustav dran. Er versteht nicht, wieso Attila nicht begeistert ist: Man kann sogar den roten Fleck auf dem Jupiter erkennen, der ein riesiger Wirbelsturm sein soll. „Irre! Ich seh sogar ein paar Jupitermonde!“, staunt er. Weil sich Cosimo und Paul, die weit hinten in der Warteschlange stehen, langweilen, spielen sie Flippen mit Cent-Münzen. Als Cosimo eine Münze hinter das Fernrohr rollt, muss er darunter kriechen und stößt dabei aus Versehen mit dem Kopf gegen die Steuervorrichtung und löst sie aus. Mit leisem, elektrischen Summen dreht sich das Fernrohr etwas zur Seite, bis es wieder still steht. Frau Meier-Greulich schimpft, weil sie jetzt den Jupiter erst wieder neu suchen muss. Da wird Gustav plötzlich ganz aufgeregt: „Ein Stern! Ein Stern! Er wird größer!… Er bewegt sich!… Er kommt direkt auf uns zu!“, schreit er. Frau Meier-Greulich wird neugierig und sieht selbst durchs Okular. Tatsächlich! Ein glühender Brocken rast durchs Weltall! Glühen tut er, weil er bereits die Luftschicht der Erde erreicht hat und durch die Reibung Hitze entsteht. „Nur die Ruhe!“, sagt die Lehrerin. „Das ist nur ein Meteor, der wahrscheinlich hier ganz in der Nähe einschlagen wird. Sowas kommt immer mal wieder vor!“ Die Kinder sind ans Fenster gerannt, um den Meteor zu sehen. „Da!“, schreit Paula, „ich seh ihn!“ Alle Augen folgen einem flammenden Stern, der wie ein rascher Bleistiftstrich über den Himmel zieht und dann ganz in der Nähe, am Fuße der Hügel am Stadtrand, verschwindet. Die Erde bebt ganz leicht, als er einschlägt. Sekunden später hören sie das dumpfe Geräusch des Aufpralls. „Ausgezeichnet! Diese Astronomiestunde verspricht, noch aufregender zu werden, als geplant!“, ruft Frau Meier-Greulich. „Wisst ihr was? Wir gehen auf die Jagd nach dem Meteor!“ Die Kinder sind nicht zu halten. In größter Eile rennen alle über die Wiesen hinter der Schule. Dort hin, wo der Meteor verschwunden ist. Sie wissen nicht, dass auch Herr Göppinger, der Hausmeister, ins Freie getreten ist. „Die suchen wohl den Meteor!“, denkt er. „Da muss ich unbedingt hinterher!“ Gustav hat den Meteor bereits entdeckt: Hinter ein paar Eichen, in einem frischen Krater, liegt ein dampfender Stein! Ein geheimnisvolles Leuchten geht von ihm aus. Leise knistert der Brocken, als er abkühlt. Der milde Nachtwind weht grüne Dunstwölkchen über die Wiese. Frau Meier-Greulich hält die Kinder zurück. „Haltet Abstand, Kinder! Das Ding sieht mir ganz nach einem Supermeteor aus!“ „Ein Supermeteor?“, fragt Paula. „Was ist ein Supermeteor?“ Frau Meier-Greulich nähert sich vorsichtig dem dampfenden Brocken. „Ein Supermeteor kann dich in einen Supermenschen verwandeln“, erklärt sie. „Die meisten Superhelden sind zu Superhelden geworden, nachdem sie Kontakt mit einem Supermeteor hatten!“ Gustav runzelt die Stirn. Er hat schon viele Comics über Superhelden mit Superkräften gelesen. Aber das seien doch alles nur erfundene Geschichten, sagt er. „So? Dann pass mal auf!“, sagt Frau Meier-Greulich und berührt den Kometen mit dem Zeigefinger. Es tut einen lauten Knall und ein greller Blitz blendet die Kinder. Als sie langsam wieder klar sehen können, hat sich ihre Lehrerin verwandelt: Sie trägt jetzt einen hautengen, knallgelben Anzug mit farblich dazu passendem Umhang und einem schicken Gürtel um die Taille! „Genau, wie ich dachte!“, sagt Frau Meier-Greulich und sieht zufrieden an sich runter. „Ich bin superheldifiziert! Das ist eigentlich gar nichts besonderes, verglichen mit den Wundern, die das Weltall sonst noch zu bieten hat!“ „Uiiih!“, keuchen die Kinder begeistert. „Wir wollen auch superhelifi… superfidi…“ „Superheldifiziert werden?“, fragt Frau Meier-Greulich. „Jaaaaa!“, brüllen die Kinder. „Dann mal los!“, grinst die Lehrerin, wirft lässig ihren Umhang zurück und tritt zur Seite, damit die Kinder sich auf den Meteor stürzen können. Es knallt, knattert und blitzt, wie bei einem Feuerwerk. Dann haben sich alle verwandelt: Die Mädchen tragen schicke Overalls mit modischen Umhängen, die Jungs schnittige Actionanzüge mit Taschen überall. Und coolen Augenmasken, wie sie „Spinnenmann“, „Das Phantom“ oder „Der Bestrafer“ haben! „Na, Superklasse? Wie wärs mit einem Ausflug zu den Sternen?“, fragt die Lehrerin.               Wie es weitergeht, erfährst Du in dem Gustavbuch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“.

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