Der Pferdehof

Hier könnt Ihr den Anfang der Gustavgeschichte „Gustav und der Ponyhof“ lesen. Die ganze Geschichte mit vielen Bildern und die drei Geschichten „Der eiserne Gustav“, „Gustav und der Dschin“ und „Gustav und der Supermeteor“ findet Ihr in dem Buch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“.

 

„Morgen fällt der Unterricht aus, Kinder!“, verkündet Frau Meier-Greulich.

„Ooooch!“, machen die Kinder enttäuscht. Denn es gibt nichts Schöneres, als Unterricht bei Frau Meier-Greulich.

„Dafür machen wir einen Schulausflug!“ ruft die Lehrerin.

„Juhuuuuu!“, brüllen die Kinder begeistert. Denn wenn es überhaupt etwas Schöneres als Unterricht bei Frau Meier-Greulich gibt, dann ist das natürlich ein Schulausflug mit Frau Meier-Greulich.

„Nachts kann Gustav kaum einschlafen, weil er sich so auf den Ausflug freut. Am nächsten Morgen muss ihn seine Mutter gar nicht wecken, denn er ist bestimmt schon seit Stunden wach. So aufgeregt ist er!

Der Schulbus steht abfahrtbereit vor der Pforte, als Gustav bei der Schule ankommt. Frau Zwiebelmann, die Busfahrerin, lehnt lässig an ihrem Fahrzeug und liest ihre Busfahrerzeitung.

Auch die anderen Kinder aus Gustavs Klasse sind heute ganz früh dran. Zuletzt kommt Frau Meier-Greulich. Gustav staunt, denn in Reithosen und Stiefeln hat er seine Lehrerin noch nie gesehen! Aber dann muss er grinsen, denn ihm fällt wieder ein, wieso Frau Meier-Greulich heute so angezogen ist: Na klar, Ziel des Schulausflugs ist doch ein Pferdehof! Ein Pferdehof im kleinen Dörfchen Rossdorf.

Die Busfahrt vergeht wie im Flug. Frau Zwiebelmann singt wie immer  lautstark in ihr Busfahrermikrofon. Im Busfahrergesetz steht zwar, dass Busfahrer während der Fahrt nicht mit den Fahrgästen reden dürfen, aber „von Singen steht da nichts geschrieben!“, wie Frau Zwiebelmann immer versichert. Natürlich krähen die Kinder aus Leibeskräften mit, denn Frau Zwiebelmanns Lieder sind super! Vor lauter Begeisterung vergisst Cosimo sogar, dass ihm im Bus immer schlecht wird. Und dann ist man auch schon da!

„Wendys Reit- und Rodeoparadies. Pferdepension, Ponystreichelzoo, Saloon,“ steht groß über der Einfahrt zum Hof.

„Alles aussteigen!“, trällert Frau Zwiebelmann, legt die Füße hoch aufs Lenkrad und vertieft sich für die nächsten acht Stunden wieder in ihre Busfahrerzeitung.

Eine dicke Dame in Reitstiefeln begrüßt die Kinder. Sie trägt einen Schlapphut wie ein Cowboy und hat einen breiten Gürtel um die Hüften geschlungen, an dem ein echtes Lasso baumelt. Gustav hat sofort Respekt vor ihr.

„Ich bin Frau Wendy, aber ihr könnt Wendy zu mir sagen“, stellt sich Frau Wendy, die dicke Pferdetrainerin, den Kindern vor. „Wer von euch hat schon mal auf einem richtigen Pferd gesessen?“

Die Mädchen strecken alle, denn Mädchen finden Pferde und alles, was mit Pferden zu tun hat, gut. Darum haben sie auch alle ihre Eltern so lange genervt, bis diese sie für teure Reitstunden angemeldet haben. Von den Jungs streckt keiner.

„Das wundert mich nicht!“, sagt Frau Wendy und steckt sich lässig einen Grashalm in den Mund, um darauf herum zu kauen. „Dann dürfen die Mädchen schon mal mit ihrer Lehrerin auf feurigen Rössern über die Heide donnern, während ich den jungen Herren eine erste Reitstunde verpasse! Das heißt…“, Frau Wendy beugt sich zu den Jungs runter und lächelt, „…falls die jungen Herren den richtigen Mumm dazu habt! Oder wollt ihr vielleicht den ganzen Tag drüben im Spielzimmer verbringen?“

Den Jungs ist etwas mulmig zumute. Aber weil sie nicht feige sein wollen, entscheiden sich natürlich alle für die Reitstunde. Obwohl Gustav doch ganz gern mal nachgesehen hätte, was das Spielzimmer so alles zu bieten hat.

Während Frau Wendy die Jungs zum Stall führt, wo die Ponys für die Anfänger stehen, nehmen sich die Mädchen die richtigen Reitpferde. Frau Meier-Greulich springt gleich beim größten und wildesten Pferd in der Sattel, denn als Lehrerin besitzt sie natürlich den internationalen Reitschein für Pferde aller Gewichtsklassen. „Yipieh-yeah!“, rufen die Mädchen und preschen über den Hof, dass es nur so staubt.

Die Jungs dagegen müssen mit lächerlichen Holzleitern auf ihre Ponys hoch klettern und versuchen, sich da oben irgendwie festzuhalten. Zum Glück sehen die Mädchen gerade nicht zu! Die Ponys fangen dann an, mit den Jungs immer im Kreis zu laufen, eins hinter dem anderen. Gustav hat Mühe, nicht runter zu fallen, weil sein Pony so wackelt. Die Mädchen, die total gut reiten können, grinsen überlegen rüber zu den Jungs, weil die auf ihren Anfängersätteln wirklich total idiotisch aussehen.

„He, seht mal, was ich kann!“ Pia galoppiert über den Hof und macht Saltos auf dem Pferderücken. Sowas lernt man ja bekanntlich im Mädchenreitkurs schon in der dritten Stunde. Paula und Romy balancieren auf einem Bein auf ihren Tieren, während die über Hürden springen. Die Jungs staunen und sind ganz neidisch, wollen das aber natürlich nicht zugeben, weil die Mädchen sich sonst noch was drauf einbilden.

Da passiert es: Attila vergisst vor lauter Staunen, sich richtig festzuhalten. Wie ein Mehlsack kippt er aus dem Sattel. Von dem kleinen Pony fällt er nicht besonders tief, aber weil sich ein Fuss im Steigbügel verfängt, schleift ihn das Pony einfach hinter sich her. „Aua!“, sagt Attila jedesmal, wenn er über eine Unebenheit im Boden gezogen wird.

Und der Hof ist hier ganz schön uneben: „Aua, aua, aua!“

„Immer dasselbe“, seufzt Frau Wendy, rollt mit den Augen und hält Attilas Pony an, damit der seinen Fuss aus dem Steigbügel ziehen kann.

„Da hast du  mächtig Glück gehabt, Cowboy, dass dir sonst nichts passiert ist!“, sagt sie zu Attila, der sich mühsam aufrappelt.

„G…Glück?“, fragt Attila unsicher.

„Allerdings!“, sagt Frau Wendy und lässt ihren Grashalm von einem Mundwinkel zum anderen wandern.

„Ich kannte mal einen, den schleifte sein Gaul 100 Meilen durch die Prärie, wo der Boden voller spitzer Felsen und Dornen war. 100 Meilen, kannst du dir das vorstellen?“

Attila versucht, sich das vorzustellen und schluckt.

Frau Wendy spuckt den Grashalm aus und senkt ihre Stimme. „100 Meilen über einen Boden rauh wie Schmirgelpapier! Danach war von dem Burschen nur noch ein Stiefel übrig!“

Attila befühlt sein Hinterteil, wo in der Hose ein großes Loch gähnt, durch das man seine Unterhose mit den Raumschiffen drauf sehen kann. Hastig sagt er, er habe ganz dringend etwas im Spielzimmer zu erledigen und humpelt davon.

„Glückspilz!“, sagt Frau Wendy und steckt sich einen neuen Grashalm zwischen die Zähne. Dann dreht sie sich zu den restlichen Jungs um.

„Na, und ihr? Habt ihr alle Spaß am Reiten?“

Die Jungs ziehen ein wenig die Köpfe ein, murmeln ein undeuliches „Ja“ und traben brav weiter im Kreis.

Frau Wendy klopft sich zufrieden mit dem Lasso an die Hosennaht. „Ja, ja, das Glück der Erde findet man nur auf dem Rücken der Pferde. Das wusste schon der alte Konfuzius!“

 

Wie die Geschichte weitergeht, könnt Ihr im Gustavbuch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“ erfahren.

 

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