Der eiserne Gustav

 

 

 

Hier könnt Ihr den Anfang der Gustavgeschichte „Der eiserne Gustav“ lesen. Die ganze Geschichte mit vielen Bildern und die drei Geschichten „Gustav und der Ponyhof“, „Gustav und der Dschin“ und „Gustav und der Supermeteor“ findet Ihr in dem Buch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“.

 

Große Pause! Gustav und alle anderen Kinder der Klasse spielen im Schulhof Fille-Fange. Fille-Fange ist gerade ihr Lieblingsspiel und geht so: Alle hüpfen wie die Bekloppten auf einem Bein herum, brüllen dabei andauernd „Fille-Fange!“ und versuchen, sich gegenseitig anzuboxen und umzustoßen. Wer zuletzt noch nicht am Boden liegt, hat gewonnen! Super!

Das Spiel hat sich die Pia ausgedacht. Eigentlich sind Kinder ja  nicht klug genug, sich so verzwickte Spielregeln auszudenken. Aber bei Pia ist das was anderes, denn sie ist total begabt für ihr Alter. Wenigstens sagen das Pias Eltern immer.

Mitten im wildesten Fille-Fange-Gerangel taucht plötzlich Theo mit seiner Kiste auf. Paula entdeckt ihn als erste. „Die Kiste! Die Kiste!!“, schreit sie.

Sofort bleiben alle wie angewurzelt stehen und starren Theo mit der Kiste an. Alle, bis auf Gustav. Der schafft es nicht, auf einem Bein stehen zu bleiben und kippt um. Rumms!

„Hi-hi!“, macht Rainer-Werner.

„Aua!“, sagt Gustav.

Dann geht die Balgerei um die Kiste los! Man schiebt und schubst, drängelt und drückt, ringt und rangelt, quetscht und fletscht, zwickt und zwackt!

Denn in Theos Kiste sind die herrlichsten Schätze drin, die man sich vorstellen kann: süße Schokoschnecken, sahnige Sabberlutscher, saure Schlürfschlotzer und zuckrige Zimtzicken!

Frau Meier-Greulich, Gustavs Klassenlehrerin, hat heute die Pausenaufsicht.

„Wo hat dieser Theo nur immer den ganzen Süßkram her?“, wundert sie sich. „Seit einer Woche geht das nun in jeder Großen Pause so!“

Frau Meier-Greulich atmet tief ein. „Es wird Zeit, dass ich mich da mal einmische!“, beschließt sie. „Kinder sollten nicht immer so viel Süßes essen!“

Aber die Kinder haben Theos Kiste längst leer gefuttert. Jetzt sind alle von der Extraportion Zucker so aufgekratzt, dass sie doppelt so wild Fille-Fange spielen. Es wird geboxt und geschubst, dass es nur so raucht! Nicht einmal ein heftiger Regenschauer kann die Kinder aufhalten. Sie hüpfen in den Pfützen herum und haben gleich nochmal so viel Spaß.

Die Große Pause geht zu Ende. Herr Göppinger, der Hausmeister, öffnet ein Fenster und greift nach seiner Pausenposaune. Gleich wird er das Signal zum Reingehen geben! Herr Göppinger holt so tief Luft, dass ihm fast die Knöpfe von seinem karierten Hausmeisterhemd platzen, schmiegt die Lippen ans Mundstück der Pausenposaune und pustet los.

„Pooooooooooth!“ dröhnt es über den Schulhof. Die kleinen Maulwürfe auf der Wiese, die den Kindern immer beim Fille-Fange zusehen, ziehen die Köpfe ein.

„Poooooooooooooooooooooooooooth!“

Das Eichhörnchen, das in der alten Kastanie am Schultor wohnt, hüpft in großen Sprüngen davon.

„Poooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooth!“

Die Fensterscheiben fangen an zu wackeln und die Kinder halten sich die Ohren zu. Nur Frau Meier-Greulich steht seelenruhig da. Ihr macht Herr Göppingers Getröte nichts aus, denn sie beherrscht die alte, japanische Kunst des Ohren-Verschließens durch Gedankenkraft.

Dann ist Herr Göppinger fertig. Er verbeugt sich kurz und schließt das Fenster. Alles dackelt nach drinnen und der Schulhof ist leer. Die Maulwürfe strecken vorsichtig die Köpfe raus und das Eichhörnchen erscheint wieder auf der Mauer. Endlich Ruhe!

Im Klassenzimmer quietscht es vernehmlich, als sich die Kinder hinsetzen.

Frau Meier-Greulich wundert sich. „Das ist ja seltsam! Solche Geräusche macht ihr doch sonst nicht!“, sagt sie. „Das muss ich näher untersuchen! Gustav, nimm doch bitte mal die Arme nach oben!“

Gustav hebt artig beide Arme, was ihm seltsamerweise Mühe bereitet. So, als ob seine Arme Widerstand leisten würden. Dabei quietscht es laut und deutlich.

Frau Meier Greulich legt den Kopf schief. „Danke, du kannst die Arme wieder runter nehmen, Gustav!“

Das ist leichter gesagt, als getan! Mit Mühe gelingt es Gustav, die Ellbogen anzuwinkeln. Und wieder quietscht es dabei!

Frau Meier-Greulich wendet sich an die Klasse. „Kinder, könnt ihr euch denken, was da los ist?“

Die Kinder schütteln die Köpfe. Dabei quietscht es so laut, dass Frau Meier-Greulich die Ohren weh tun, denn vor lauter Staunen hat sie vergessen, die alte japanische Kunst des Ohren-Verschließens durch Gedankenkraft anzuwenden.

„Kinder, ihr quietscht ja bei der kleinsten Bewegung! Merkt ihr das auch?“

„Quietsch!“, rufen die Kinder und nicken.

Die Lehrerin zieht die Stirn in Falten. „Hmmm. Könnte es sein, dass…?“

Dann schnippt sie mit dem Finger und lacht, denn sie ahnt etwas.

„Rost!“, ruft sie. „Das ist es! Ihr Kinder rostet!“

„Wir rosten?“, rufen die Kinder und quietschen dabei wie alte Türscharniere.

„Ganz klar!“, sagt Frau Meier-Greulich, „Ihr habt zu viel Eisen gegessen! Eisen ist ja bekanntlich im Essen drin. Nur habt ihr irgendwie viel zuviel Eisen abgekriegt! Und weil euch der Regen nass gemacht hat, rostet ihr nun! Rostet, wie alte Blechdosen, haha!“

„Das gibt’s… (quietsch!)… doch nicht!“, quietscht Gustav.

„Soll ich‘s dir beweisen?“, lacht Frau Meier-Greulich. Sie nimmt einen der Magneten, mit denen man Bilder an die Tafel heften kann und klatscht ihn Gustav auf die Stirn. Der Magnet haftet bombenfest. Gustav ist baff.

„Na, glaubst du mir jetzt?“, fragt Frau Meier-Greulich. „Der Magnetkraft nach zu urteilen, bestehst du bereits zur Hälfte aus Eisen!“

„Aber…?“ quietsch Gustav aufgeregt, „wo (quietsch!) haben wir denn (quietsch!) zu viel Eisen gegessen?“

„Ich habe bereits einen Verdacht!“, sagt Frau Meier-Greulich und zieht Gustav den Magneten mit einem lauten Plopp von der Stirn. Dann dreht sie sich zu Theo um und schaut ihm tief in die Augen.

„Wo hast du eigentlich immer den ganzen Süßkram her, Theo?“

Theo wird rostrot im Gesicht und fängt an zu stottern. „D-d-die Süßigkeiten? Die (quietsch) schenkt mir immer (quietsch) der nette Herr Schimmelpfennig!“

Die Lehrerin schaut Theo noch tiefer in die Augen.

„Etwa der Herr Schimmelpfennig, dem die Schimmelpfennig-Rostschutzmittel-Fabrik“ gehört?“

„Ge… (quietsch) …nau der!“, quietscht Theo.

„Der Fall ist gelöst!“, ruft Frau Meier-Greulich und haut dabei so auf den Tisch, dass alle vor Schreck hoch fahren. Sogar Lutz in der letzten Reihe, der wie gewöhnlich ein Nickerchen macht, wacht auf.

„Kinder? Dieser Herr Schimmelpfennig schenkt euch Süßigkeiten mit zu viel Eisen drin, damit ihr anfangt, zu rosten!“

„Aber (quietsch) wieso denn?“ quietschen die Kinder.

„Das müssen wir raus kriegen“, sagt Frau Meier-Greulich: „Ich finde, wir sollten dem Burschen mal auf die Finger klopfen! Was meint ihr, Kinder?“

Doch die Kinder meinen gar nichts mehr. Nicht das leiseste Quietschen ist zu hören. Denn sie sind plötzlich alle eingerostet! Wie Roboter, bei denen die Batterie leer ist, sitzen sie reglos in ihren Bänken. Nur ganz leise hört man etwas Rost zu Boden rieseln.

 

 

 

 

 

 

 

Wie diese Geschichte weitergeht, erfahrt ihr in dem Gustavbuch „…nur dem Gustav haben sie Zuhause wieder kein Wort geglaubt“.

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